kuehlhaus AG

Internetagentur Mannheim
N7, 5-6
68161 Mannheim

Job Development

kuehlhaus in den Medien

Interview über die Gründungszeit damals und heute

Einblicke in die Gründingszeit

„Einer muss das Business machen und einer die Arbeit“

Christian Reschke hat vor fast 20 Jahren zusammen mit seinem Partner Christian Fernandez die Internetagentur tausendwelt – neue medien gegründet, aus der im Jahr 2001 die kuehlhaus AG hervorging, die heute zu den größten Internetagenturen in Deutschland gehört. In unserem Interview erzählt der Vorstand von seinen Erfahrungen, Erfolgsfaktoren und den Unterschieden, die er zu heutigen Gründungen sieht. 



Herr Reschke, Sie haben sich 1998 gemeinsam mit ihrem Schulfreund Christian Fernandez mit einer Internetagentur selbstständig gemacht. Was war der Anreiz für diesen Schritt?
Das waren verschiedene Faktoren. Zum einen habe ich mich schon immer für das Thema Selbstständigkeit interessiert. Das erste Buch „Wie mache ich mich selbstständig“ habe ich mir gekauft, da war ich gerade 15 oder 16 Jahre alt.
Zum anderen habe ich zu dieser Zeit noch studiert und neben meinem Studium der Bauwirtschaft bei einer Bauprojektmanagementfirma gejobbt. Dort habe ich mich manchmal so geärgert, dass ich irgendwann dachte: Jetzt reicht’s. Ich bin heimgegangen und habe direkt meine Kündigung geschrieben. Dann bin dann zum Rathaus Hemsbach gegangen und habe mir einen Gewerbeschein geholt.
 

Wie haben Sie damals angefangen?
Meine ersten Aufträge waren kleine Webseiten, mal für einen Architekt, mal für ein Fahrradgeschäft oder ein Systemhaus. Außerdem haben wir anderen Agenturen zugearbeitet, wie z. B. der damaligen kuehlh@us d.sign mit der wir uns später zusammengeschlossen haben. Damals gab es ja nur sehr wenige Menschen, die sich mit dem Thema Internet auskannten, so dass man mehr oder weniger von einem Kunden zum nächsten weitergereicht wurde. So fing das Ganze an. 

Sie kommen aus der Bauwirtschaftsbranche. Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen etwas im Bereich Internet zu machen?
Das war ganz einfach. Als ich angefangen habe zu arbeiten und gehört habe, dass man irgendetwas zur Arbeit machen soll, was einem Spaß macht damit die Arbeit nicht zur Arbeit wird, habe ich mir überlegt, was mir Spaß macht und was mich interessiert. Das Thema Internet, das damals total neu und hipp war, hat mich einfach fasziniert und da wusste ich: Das ist es.

Auf welche Probleme sind Sie damals bei Ihrer Gründung gestoßen?
Ein Problem war die Finanzierung. Als wir die ersten Aufträge bekommen haben, bin ich zur Bank gegangen und habe um einen Kredit von 2.000 Euro für einen neuen Rechner gebeten. 2.000 Euro wohlgemerkt! Das Geld hat mir die Bank nicht gegeben. Wir hatten damals in den studentischen Zeiten wenig Geld und haben alles eigenfinanziert, wir hatten keinerlei Fremdkapital. Bei der Gründung der kuehlhaus AG Jahre später haben wir dann mal ein Gründerdarlehen aufgenommen, um zwei neue Arbeitsplätze zu finanzieren. Aber bei der ersten Gründung tausendwelt – neue Medien haben wir einfach angefangen zu arbeiten. Bei der zweiten Gründung war es dann schon ein bisschen koordinierter. 

Das andere Problem war das wenige Fachpersonal damals. Es gab Informatiker, aber die heutigen spezialisierten Lehrberufe, wie Medieninformatiker, E-Business- oder E-Commerce-Spezialisten, gab es damals nicht. Vor 20 Jahren beschäftigen wir viele Quereinsteiger, Informatiker, die über die Grundlagen verfügten, aber sich nicht mit Websprachen oder Websystemen auskannten. Geeignetes Fachpersonal zu finden ist in diesem Bereich aber immer noch sehr schwer. Die Experten auf diesem Gebiet gibt es eben nicht wie Sand am Meer. Leider.

Kannten Sie damals andere Gründer?
Kaum. Damals war es nicht so verbreitet sich mit anderen Gründern zu treffen. In den Gründerforen begegnen sich heutzutage ja vor allem Gründer rund um das Thema Internet und E-Business, die Gründerzentren sind voll von IT-Unternehmen. Handwerker oder andere Berufsgruppen sind dort kaum vertreten. Da vor 20 Jahren das ganze IT-Thema noch nicht weit verbreitet war, das Thema Internet erst recht nicht, gab es auch diese Gründerlandschaft nicht, die heute existiert. 
Im privaten Umfeld gab es auch wenige, die direkt nach dem Studium ein Unternehmen gründeten.  Die meisten gingen erstmal arbeiten und verschieben eine Existenzgründung auf später. Heute macht sich wohl öfter mal jemand direkt nach dem Studium selbstständig, aber damals war das eher die Ausnahme.

Wenn Sie heute die Möglichkeit hätten, sich mehr mit anderen Gründern auszutauschen oder zu einer Gründungsberatung zu gehen, würden Sie das Angebot wahrnehmen? 
Ja, das würde ich mir mal anhören, warum nicht. Man sollte alles mitnehmen, was es an Angeboten gibt.

War das Gründen aus Ihrer Sicht damals leichter oder schwerer als heute? 
Erfolgreiche Geschäfte zu führen ist meiner Meinung nach heute genauso schwer oder leicht wie damals. Es ist ja nie schwer die Gründung anzugehen, den Gewerbeschein zu beantragen, sich daheim hinzusetzen, eine Webseite für jemanden zu machen und eine Rechnung zu schreiben. Mit dem Verkaufen haben die meisten Probleme. Sie haben tolle Produkte, in die sie total verliebt sind, aber das Verkaufen und Geld verdienen gelingt Ihnen nicht.

Was raten Sie heutigen Gründern, die jetzt am Anfang stehen?
Sie brauchen ein gutes Gründerteam. Jede Firma braucht einen, der den Vertrieb macht, einen der sich um das Produkt und das Marketing kümmert und einen Techniker, sofern es eine Gründung im Bereich IT ist, der das Produkt steuern kann. Einer muss verkaufen können, einer muss am Produkt arbeiten und einer muss z. B. das Portal programmieren. Das ist immens wichtig. Ich glaube, es ist gut, wenn Aufgaben verteilt sind. Eine Gründung ganz alleine durchzuziehen ist schwierig.
Ich bin sehr froh darüber, dass mein Geschäftspartner Christian Fernandez und ich uns so gut ergänzen. Er macht was ich nicht kann und umgekehrt – ich darf meine Leidenschaft ausüben und er seine. Produkt, Vertrieb, Finanzen – das sind meine Themen. Ich kümmere mich z. B. darum, dass die Infrastruktur funktioniert, Geld reinkommt, wir ordentlich verkaufen und die Marke gut positioniert ist. Christian macht das Kreative und treibt die Firma inhaltlich voran. Er ist für Kunden, Konzeption, Kreation und Projekte zuständig. Man braucht einen der das Business macht und einen der die Arbeit macht. Das finde ich essentiell wichtig.

Wann hatten Sie das Gefühl, es mit Ihrem Unternehmen geschafft zu haben? 
Habe ich es geschafft? So etwas hört man immer nur von außen. Ich habe 36 glückliche Mitarbeiter, die gerne hier herkommen, ich habe ein Auskommen, von dem ich gut leben kann und ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit – das ist für mich Erfolg.

Vielen Dank für das Gespräch.

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